Auch diesen Artikel habe ich für die WEBeLINE geschrieben – erschienen in der Märzausgabe 2009.
Mitte 2008 verkündete Google einmal mehr, dass sie nun in der Lage seien, Flash Inhalte zu indizieren – obwohl eigentlich nicht neu, sorgte diese Ankündigung für einiges an Aufregung. Meiner Meinung nach völlig zu unrecht, denn nach wie vor ist Flash etwas komplett anderes, als sauber strukturiertes HTML und daher für effektive Suchmaschinenoptimierung kaum geeignet.
Schauen wir uns zu Beginn einmal die Top-3 Gründe an, warum ich glaube, dass es mit Flash Inhalten zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich ist, so erfolgreich zu ranken, wie mit einer sauber optimierten HTML-Seite:
1. Unterschiedliche Inhalte nutzen die gleiche URL
Oftmals bestehen Flash Seiten aus einem einzigen Flash-Film, der zum Beispiel bei Klick auf ein Navigationselement zu einer bestimmten Stelle im Film springt – man bewegt sich also innerhalb dieses einen Flash-Films vor und zurück, obwohl die Inhalte grundverschieden sein können. Dies bedeutet, dass einzelne Unterseiten keine eigene URL besitzen und somit nicht direkt von extern verlinkt werden können. Sicher ist es so, dass man dieses Problem mit einigem Mehraufwand in der Flash-Entwickelung lösen könnte, dennoch besteht ein weiteres Problem: Die Inhalte in diesem Flash-Film können grundverschieden sein – dies macht es den Suchmaschinen nahezu unmöglich, den Schwerpunkt der Seite zu erkennen und die Seite einem Themencluster zuzuordnen.
2. Flash wird eingebunden und nicht direkt verlinkt
Ein weiteres Problem ist die Art und Weise, wie Flash-Filme zugängig gemacht werden: Flash wird in mehr als 99% aller Fälle in eine HTML-Datei eingebunden. Diese Tatsache hat zur Folge, dass externe Links auch nicht direkt auf das Flash-File zeigen, sondern eigentlich immer auf die HTML-Datei, welche den Flash-Film beinhaltet. Damit würde sich maximal das Ranking für die HTML-Datei verbessern, nicht aber das, der Flash-Datei. Insbesondere Google ist hier aber so clever, diese HTML-Dateien auszusortieren bzw. nicht zu ranken, da meist kein weiterer Inhalt (in Textform) vorhanden ist.
3. Inhalte / Text ist nicht strukturiert
Der „normale“ Inhalt eines Flash-Films ist nicht mit einem sauber strukturierten HTML Quelltext zu vergleichen, denn Elemente wie Überschriften (<h1>Überschrift</h1>) oder auch Attribute für Bilder (alt=“Bildbeschreibung“) sind meist nicht vorhanden. Google extrahiert damit lediglich alle Wörter aus dem Flash-Film und erstellt daraus einen unstrukturierten Text.
Weitere Probleme sind außerdem:
- Die Technologie, mit der Goolge arbeitet, ist properitär. Dies bedeutet, es ist nicht klar, was Google eigentlich aus einem solchen Flash-Film verarbeiten kann und was nicht – hingegen gibt es für HTML Seiten vielerlei Tools (sog. „Spider-Viewer“, z.B. dieses oder das), die es ermöglichen, die Seite aus der Sicht eines Crawlers zu betrachten.
- Weiterhin gibt Google an, dass externe JavaScript Aufrufe oder externe Inhalte die von Flash-Filmen aus aufgerufen werden, nicht verarbeitet werden – dieses Konzept wird aber unglücklicherweise von einem großen Teil alle Flash-Filme derzeit verwendet.
- Andere Suchmaschinen unterstützen keine Indizierung von Flash – HTML wird von allen verarbeitet.
Was heißt das also in der Praxis?
Verwenden Sie kein Flash! OK – so dramatisch ist es nicht, denn selbstverständlich hat Flash seine Daseinsberechtigung, z.B. als „Eye-Catcher“ Element oder zur Darstellung anderer, interaktiver Inhalte. Befinden sich in dem Flash Film allerdings Inhalte, die Sie in den Suchmaschinen platzieren wollen, sollten Sie zusätzlich eine HTML Seite erschaffen und die Flash-Inhalte dort sauber strukturiert den Suchmaschinen zugängig machen. Im gleichen Zuge – zur Vermeidung von Doppelten Inhalten („Duplicate Content“) – verbieten Sie die Indizierung von Flash-Dateien für alle Suchmaschinen mittels Anweisung in der robots.txt, welche z.B. folgendermaßen aussehen kann:
User-Agent: * Disallow: /*.swf$
Mit diesem Eintrag wären alle Flash-Dateien (*.swf) für alle Crawler gesperrt. Die Anweisung können Sie natürlich auch auf den Googlebot und den Flash-Film „mein-flash-film“ beschränken:
User-Agent: Googlebot Disallow: /mein-flash-film.swf
Tipp: Nutzen Sie unbedingt die Google Webmaster Tools, um Ihre robots.txt Datei auf Fehler zu prüfen, bevor Sie die Datei auf den Server laden!
Ähnliche Probleme mit AJAX & JavaScript
Bei der Verwendung von JavaScript innerhalb einer Website kann es auch häufig zu Problemen mit Suchmaschinen kommen. Bedingt durch die Tatsache, dass JavaScript zu großen Teilen nicht verarbeitet wird, sind oftmals große Teile einer Website für die Crawler gar nicht zugängig. Die Folge: Inhalte sind über die Suchmaschinen nicht auffindbar! Achten Sie also unbedingt darauf, dass insbesondere Verlinkungen nicht mit JavaScript, sondern mit dem dafür vorgesehenen <a>-Tag realisiert werden.
Das Gleiche gilt im Prinzip für AJAX – Asynchronous Javascript And XML. Hier entstehen Probleme meist bei der Auslieferung von Seiteninhalten, denn AJAX nutzt verschiedene Methoden, Inhalt abzurufen und auszuliefern, ohne die Seite dabei neu zu laden. Dies resultiert normalerweise darin, dass Suchmaschinen den Inhalt nicht lesen können.
In beiden Fällen gilt: Schaffen Sie alternative Wege – im Falle von einfachem JavaScript bietet sich oftmals die Möglichkeit, mit dem <noscript>-Tag zu arbeiten. Achten Sie bei der Verwendung darauf, auch wirklich nur Dinge in diesem Tag abzubilden, welche auch in dem JavaScript selbst zu finden sind. Außerdem ist zu beachten, dass das <noscript>-Tag im HTML Quelltext direkt nach dem JavaScript platziert wird, z.B. folgendermaßen:
<script type="text/javascript">
// <![CDATA[
document.write("JavaScript Content...");
// ]]>
</script>
<noscript>Alternativer Crawler Content...</noscript>
Als AJAX- Alternative empfiehlt es sich meist, die komplette Seitenstruktur noch einmal, in Suchmaschinen freundlicher Form, zu erschaffen. Hierbei ist natürlich darauf zu achten, dass diese Seiten vollständig für die Crawler optimiert werden (Verlinkung, strukturierter Text, etc.) aber auch, dass diese „zweite“ Variante in jedem Fall auch für die Besucher der Seite zugängig ist – ansonsten läuft man schnell die Gefahr, gegen die Richtlinien der Suchmaschinen zu verstoßen (denn diese erlauben keine Produktion von Seiten, die ausschließlich für Suchmaschinen gemacht sind).

[...] #SEO & #Flash bzw. #AJAX nicht zusammen passen Link [...]
Klingt durchaus schlüssig. Ich schließe mich da ausnahmslos Deiner Meinung an. I.d.R. ist es wirklich so, dass Flash ein Eye-Catcher ist, aber mehr auch nicht. Wir bieten zwar auch Flash an, aber weisen den Kunden dabei gezielt auf die von Dir genannten Argumente hin.
Auch wenn ich glaube, dass der Catchy-Faktor (mehr Interaktivität) immer mehr zunimmt, wird es immer ein Manko sein, Flash zu nutzen, wenn man im Bereich SEO effektive und verlässliche Ergebnisse erwartet.
Somit, genau Deiner Meinung!