Im Bereich der Suchmaschinenoptimierung sind Backlinks (also Links, die auf Ihre Internetseite zurückverweisen), wie das Salz in der Suppe – ohne funktioniert es einfach nicht. Solch relevante Links zu beschaffen, ist nicht immer einfach, insbesondere in Zeiten des „Linkgeizes“ hat man es hier als SEO ganz besonders schwer. Zudem hält sich auch das weit verbreitete Gerücht „ausgehende Links schaden meiner Webseite“ stetig – dabei ist wohl eher das Gegenteil die Wahrheit.
Das Prinzip “Content gegen Links” machen sich auch die so genannten Artikelverzeichnisse (kurz “AVZ“) zu nutze. Der Autor oder Webmaster verfasst einen Text und darf als Gegenleistung diesen mit einigen Backlinks zu seiner Domain versehen. Auf den ersten Blick ein fairer Deal, mag man denken – doch der Teufel steckt hier im Detail… Aber von vorne: Bevor ein Artikel in einem solchen Verzeichnis platziert werden kann, muss also erst einmal etwas geschrieben werden. Fast alle Artikelverzeichnisse verlangen sog. “Unique Content“, d.h. für jeden Verzeichnis-Eintrag muss ein neuer Artikel erstellt werden (oder zumindest ist ein starkes Umformulieren notwendig), damit dieser überhaupt akzeptiert wird – dies bedeutet also in jedem Falle Aufwand und / oder Kosten. Ein gängiger Artikel sollte außerdem mindestens 250 Wörter umfassen, bei einigen liegt die Minimalwortanzahl sogar noch höher. Mit einem Einzeiler klappt es in der Regel nicht, da diese Artikel in fast allen Verzeichnissen von Hand frei geschaltet werden. Dies ist insbesondere auf Grund des großen Spam-Aufkommens notwendig.
Als Gegenleistung für die Arbeit des Autors wird dann – meist je nach Wortanzahl – eine bestimmte Anzahl an Links innerhalb des Textes zugelassen – mal zwei, mal mehr. Die Anchortexte sowie auch die Linkziele bestimmen Sie dabei selbst. Belegt man das ganze nun mit Zahlen, könnte eine Rechnung folgendermaßen aussehen: Pro Text (mit 250 Wörtern) rechnen wir 6 EUR – bei durchschnittlich zwei Backlinks pro Text ergibt das einen effektiven Linkpreis von einmalig 3 EUR – nicht sonderlich viel, mag man denken
Oberflächlich betrachtet also sehr günstige Links – dennoch stößt man bei genauerer Betrachtung der Thematik gleich auf mehrere Probleme:
- Keine Garantie auf Aufnahme
Die Artikelverzeichnisse geben keine Garantie darauf, dass ein Artikel auch tatsächlich aufgenommen wird – im schlechtesten Fall wird der Artikel nicht frei geschaltet und vom AVZ-Betreiber anderweitig (selbst) verwendet. - Kein klarer Themenfokus
Auf Grund der Tatsache, dass die Themen zu breit gestreut sind (jeder kann ja beliebige Texte zu beliebigen Themen veröffentlichen), gibt es keinen klaren Fokus – d.h. die Backlinks sind nur begrenzt relevant. - Zu viele ausgehende Links
In Relation zu der großen Mengen ausgehender Links haben die meisten Artikelverzeichnisse im Verhältnis viel zu wenig Backlinks auf das eigene Angebot. Die kann ein klares Signal (z.B. für Google) sein, dass es sich hier um eine Linkfarm handelt – und diese sind ja bekanntlich auch zu vermeiden… - Schwarze Schafe („nofollow“-Links, Fake PageRank)
Wie in jedem Bereich gibt es auch hier immer wieder Betreiber, die wenig seriös an das Thema herangehen. Häufige Fallen sind z.B. gefälschter PageRank, der vortäuschen soll, dass das AVZ stark ranked bzw. wertvolle Links zurück gibt oder gar „nofollow“-Backlinks, welche faktisch keinen Wert haben – damit profitieren die Betreiber von Ihrem Content, geben aber keinen Gegenwert zurück. - Abwertung von Artikelverzeichnissen durch Google
Insbesondere in Deutschland ist Google stark dazu übergegangen, den AVZs die Power zu nehmen – sei es nun durch manuelle PageRank Herabstufungen (um die AVZs uninteressant zu machen) oder auch durch Diskreditierung der ausgehenden Links – sprich die Links bringen keinerlei Rankingverbesserung mit sich.
Auf Grund oben genannter Probleme, ist die breite Masse der Artikelverzeichnisse für einen effektiven Linkaufbau in Deutschland nicht geeignet. Allenfalls themenrelevante Artikelverzeichnisse können Sinn machen, doch auch hier empfiehlt sich vorab eine genaue Prüfung, damit Sie Ihren Content nicht umsonst dort platzieren. Insbesondere die folgenden Kriterien sollten für jede Eintragung beachtet und vorher geprüft werden:
- Wie sieht das Backlink Profil des AVZs aus? Gibt es qualitativ hochwertige Seiten, die auf das AVZ verlinken oder „lebt“ das AVZ selbst noch von Social Bookmarks Backlinks, die keinen bis sehr geringen Wert haben?
- Ist das AVZ bei Google ausreichend stark (auch Unterseiten, etc.) indiziert? Wie sieht ein Abbild des Google Cache’s aus?
- Gibt das AVZ saubere Links zurück? Non-„nofollow“ (auch den Header prüfen)?
- Können die Artikel von den Crawlern überhaupt erreicht und indiziert werden (interne Verlinkung & robots.txt prüfen)?
- Ist der angezeigte PageRank echt oder wird hier bereits getäuscht?
Sind oben genannte Kriterien geprüft und das themenrelevante AVZ für gut befunden worden, steht einer Nutzung nichts im Wege. Dennoch sollten Sie sich nicht allein auf solche Links verlassen!
Meiner Meinung nach ist die Nutzung von AVZs in Deutschland von vielen (Hobby-) SEOs einfach völlig übertrieben worden – insbesondere aus diesem Grund musste Google hier reagieren und (manuelle-) Herabstufungen vornehmen. Ich selbst nutze Artikelverzeichnisse in Deutschland (bis auf wenige, themenrelevante Ausnahmen für Nischenmärkte) gar nicht. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich sieht der Markt völlig anders aus: Es gibt insgesamt vielleicht zehn französische AVZs (vgl. Deutschland: mehrere hundert), welche selbst hervorragend ranken und demnach auch qualitativ wertvolle Backlinks liefern – die Situation ist also auch pro Land zu betrachten.
Dieser Artikel stammt aus dem Januar 2009 und wurde in der Februar-Ausgabe der WEBeLINE veröffentlicht.
